Kinder und Jugendliche

Logopädische Beratung, Untersuchung und Behandlung bei

 

Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen

Kommt es in der kindlichen Sprachentwicklung zu Auffälligkeiten, so werden diese als SEV (Sprachentwicklungsverzögerung), SSES (spezifische Sprachentwicklungsstörung,  SEB (Sprachentwicklungsbehinderung) oder Late Talker benannt. Auffälligkeiten zeigen sich dann im Wortschatzaufbau und -zuwachs, in der Lautentwicklung, in der Grammatik und im Sprachverstehen. Bei einem unauffälligen Spracherwerb zeigen sich nach dem „Brabbeln“ im Babyalter erste Wörter im Alter von 10 bis 12 Monaten. Mit 2 Jahren sollten dann bereits ca. 50 Wörter (Nomen, Verben, Adjektive, soziale Wörter wie ja / nein, bitte / danke … und relationale Wörter wie / da / auch / auf u.s.w) gesprochen werden. Mit 4 Jahren ist das Grundsystem der Grammatik erworben (bei einsprachigen Kinder auch Dativ und Akkusativ) und mit 4,5 Jahren werden alle Laute und Lautverbindungen richtig artikuliert, während sich der Wortschatz kontinuierlich bis zum hohen Alter erweitert.

 

Artikulationsstörung (Phonetische und phonologische Störungen)

Eine rein phonetische Störung liegt vor, wenn ein Kind einzelne Laute nicht oder fehlerhaft bildet. Bekannt und am häufigsten (40% der Vorschulkinder) ist die Fehlbildung des  Lautes „s”. Von einer rein phonologischen Störung spricht man, wenn das Kind einen Laut zwar korrekt bilden kann, diesen jedoch nicht korrekt anwendet. Das Kind entwickelt dann ein eigenes phonologisches System, in dem es z.B. zu Ersetzungen („Tatao“ statt „Kakao“) oder Auslassungen („B_ume“ statt „Blume“) von Lauten kommt. Häufig sind jedoch Mischformen, bestehend aus phonetischen und phonologischen Fehlern, die das Verstehen teils stark beeinträchtigen.

 

Störung der auditiven Wahrnehmung

Bei Kindern mit einer zentral-auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (ZAVWS) ist das periphere Hörsystem, also das Ohr und das Hören, nicht beeinträchtigt. Oft sind diese Kinder auffallend geräuschempfindlich, leicht ablenkbar und motorisch unruhig. Die Problematik liegt in der Reizweiterleitung zu den zentralen Hörbahnen und deren Verarbeitung und Auswertung im Gehirn. Von einem Phoniater und Pädaudiologen werden  entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Voraussetzung ist dann immer ein einwandfrei funktionierendes peripheres Hören (Ihr Kind sollte also nicht verschnupft sein und keine Ohrenentzündung haben).

Einige Beobachtungen, die Sie selbst machen können:

– Ihr Kind kann sich Gehörtes schlecht merken

– Ihr Kind kann sich nicht auf rein akustische Reize konzentrieren

– Ihrem Kind fällt es schwer, in lauter Umgebung die Stimme des Trainers, des Lehrers, des Erziehers, …  zu hören:  Die Wahrnehmungsschärfe in den höheren Frequenzen ist noch nicht ausgereift und die tiefen Nebengeräusche werden von Ihrem Kind als überlaut empfunden

– Ihr Kind kann ähnlich klingende Wörter und Reimwörter nur schwer unterscheiden  und hört unbetonte Silben nicht

Gehörtes wird verzögert wahrgenommen und vermischt sich (bei Ihrem Kind ist die Ohrdominanz noch nicht ausgebildet)

 

Myofunktionelle Störung

Die Zungen-, Lippen- und Wangenmuskulatur ist unzureichend ausgebildet. Daraus resultiert ein fehlerhaftes Schluckmuster und eine ungünstige Ruhelage der Zunge bei meist dann auch fehlendem Mundschluss. Die Folge können Fehlstellungen der Zähne, Lispeln und eine langwierige kieferorthopädische Behandlung sein. Bereits bei Vorschulkindern kann mit dem Training der Mundfunktion begonnen werden, eine Korrektur des Schluckmusters hat sich ab dem ca. 8. bis 10. Lebensjahr bewährt, da ab diesem Alter die „vorausschauende Bewegungsplanung“  („anticipatory motor planning“) ausgereift ist.

 

Klinische Lerntherapie bei Lernproblemen mit einer Lese-, Schreib- oder Rechenerwerbsstörung

Zunehmend mehr Kinder zeigen komplexe Entwicklungsauffälligkeiten, die sich auf mehreren Ebenen der kindlichen Entwicklung zeigen. Das regelhafte Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen fällt ihnen schwer.

Dann wird von einer LRS, Legasthenie und von einer Dyskalkulie gesprochen.

Seit längerem ist bekannt, dass der Grundstock für die schulischen Fähigkeiten bereits im Vorschulalter gelegt wird, wo sämtliche Vorläuferfähigkeiten erworben werden. Lesen, Schreiben und Rechnen bauen somit auf den motorischen, perzeptiven und sprachlichen Entwicklungssystemen auf. Die klinische Lerntherapie geht davon aus, dass altersgemäß entwickelte Fähigkeiten im körperlichen, sensorischen, emotionalen und kognitiven Bereich das leichte und nachhaltige Lernen ermöglichen.

 

Das Behandlungskonzept berücksichtigt die Ergebnisse der Hirnforschung und die genannten Bereiche, indem Aufgaben und Übungen u.a. zu Tonusstabilität, Abbau von Reflexen, Konzentration, Gedächtnisleistung und Augenbeweglichkeit Eingang in die Behandlung finden und je nach Alter des Kindes mit einem Rechtschreib-, Lese- oder Rechentraining verbunden werden. Es kommen u.a. das Marburger Rechtschreibtraining und computergestützte Verfahren wie Audiolog und Cesar zum Einsatz. Die Seh- und Hörfähigkeit sollte zudem über die gesamte Schulzeit kontrolliert werden, damit Ihr Kind optimale Voraussetzungen in der Schule hat.

 

Mehrsprachigkeit

Wenn wir von einer angeborenen Sprachfähigkeit (und sogar mit einer Anlage zur Mehrsprachigkeit) ausgehen, so stellt die Mehrsprachigkeit keine zusätzliche Hürde im Erlernen der Umgebungssprache dar. Dennoch kann es, vor allem wenn der Sprachinput in den ersten Lebensjahren  insgesamt zu gering war und / oder der Spracherwerb des Deutschen erst nach dem 3. Lebensjahr einsetzte, zu Fehlern in der Satzstellung, zu Wortschatzmängeln und zu Verstehensproblemen kommen. Hier kann eine logopädische Unterstützung gezielt ansetzen, um dann in Folge in Kindergarten und Schule das eigenständige Erweitern der Zielsprache zu erleichtern.

 

Stottern und Poltern

Der Sprechfluss und/oder der Sprechrhythmus sind durch Lautblockierungen, Dehnungen oder Wiederholungen sowie durch ein zu schnelles Sprechtempo und einer teils ungenauen Artikulation gestört. Im Rahmen der logopädischen Therapie soll die Wahrscheinlichkeit einer Selbstheilung des Stotterns durch den Abbau einer ungünstigen Begleitsymptomatik erhöht werden.